| „Krachen und Heulen und berstende Nacht…“ |
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Spannende Balladenpräsentationen in Klassenstufe 7
Die ersten Minuten der Deutschstunde in der 7e: betriebsame Hektik, angespanntes Diskutieren, hektisches Herumrennen. Gleich ist es soweit, in Gruppen sollen die 12- und 13-jährigen eine Ballade vortragen. „Ganz so, wie sie es früher auf den Marktplätzen gemacht haben“, ruft Theresa. Es ist eine Mischung aus lyrischen, erzählenden und dramatischen Elementen, die gespielt werden müssen. Mit Bildern, Kostüm und Requisite sollen die Vorträge unterstützt werden. Alle sind aufgeregt, sind die Texte doch wirklich nicht leicht – und kurz sind sie erst recht nicht. Tagelang haben sie zu Hause in Teams geprobt; Omas und Tanten, Mütter und Geschwister ihre Generalproben beurteilen lassen. „Benes Großeltern hat´s gefallen“, beruhigt sich Teammitglied Dominik. Dann wird es mucksmäuschenstill. Die erste Gruppe tritt auf. „Wann treffen wir drei wieder zusamm`?“, fragt beschwörend eine Naturgewalt, eingemummelt in naturfarbene Mütze, Schal und Umhang, und andere grau gekleidete Gestalten nennen mit ebenso gedämpfter, bedrohlicher Stimme die siebte Stunde am Brückendamm als Zeit und Ort. Die Zuhörer lauschen gebannt, während Menschen gegen den wütenden Sturm ankämpfen und am Ende mit dem Zug von der Brücke stürzen. Der alte Text von Theodor Fontane sitzt tadellos, Spannung wird geschickt über die Betonung aufgebaut. Das nächste Team streckt verschiedene Plüschtiere hinter einer Wand hervor – Löwe, Tiger, Leoparden – und dann wird ein Handschuh hinterher geworfen. Kaja als Fräulein Kunigunde bringt den Ritter Dolorges sinnlos in Gefahr. Nils holt den Handschuh zwar aus der Wildtiere Mitte, begehrt aber den Dank der Angebeteten nicht mehr. Friedrich Schillers kunstvoller Text wirkt modern und zeitlos. Dann versucht die Mutter von Nis Randers – anrührend gespielt von Brian mit Kopftuch – den letzten Sohn daran zu hindern, in tosender See einen Schiffbrüchigen zu retten. Die Zuschauer fühlen mit, wenn sie fürchterliche Angst hat, ihn auch noch zu verlieren – und sind erleichtert, als es Momme, der verschollene Sohn ist, den Nis und das andere harte, hohe Friesengewächs an Land rudert. Scheinbar mühelos werden die schwierigen Zeilen von Otto Ernst rezitiert. Am Ende steigen Dominik und Philipp als John Maynard und Kapitän der Schwalbe in ein riesiges selbst gebasteltes Papierfaltboot aus alten Seekarten, Lennart und Leon imitieren mit ihren Körpern wild schäumende Wellen auf dem Boden und Benedikt wirft orangefarbene Stoffe als Feuer über die Mitspieler. Am Ende trauern alle am Grab des selbstlosen Steuermannes: „In Qualm und Brand hielt er das Steuer fest in der Hand…“ Auch Goethes „Goldgräber“ und Heines „Loreley“ kamen zur Aufführung – und alle Texte wurden nahezu fehlerfrei und gestaltend präsentiert. „Mann war ich aufgeregt!“, gibt Julian am Ende zu. „Wir haben wie die Irren geprobt“, erzählt Christoph. „So intensiv und umfassend kann man sich im reinen Unterrichtsgespräch nicht mit dieser Textsorte auseinandersetzen – und viel mehr Spaß macht es so außerdem“, weiß die Deutschlehrerin, die vorher natürlich auch theoretisch Textanalyse betrieben hat. Autor: Heike Blenk
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