Theaterspielen im Museum

Theaterspielen im Museum

PROOF. Heißt die Ausstellung. „Beweis oder auch Test bedeutet das Wort“, erläuterte der freischaffende Künstler, der die Führung durch die beeindruckenden Exponate in den Deichtorhallen unternahm. Und dem die Mitglieder des Ästhetischen Profils interessiert lauschten.

An ihrem Profiltag waren sie mit ihrer Kunstlehrerin Susanne Krummrey nach Hamburg in die Deichtorhallen gefahren, um sich anzusehen, wie drei Künstler, alle drei in Epochenumbrüchen ihrer Zeit, die Welt erlebt und darstellt hatten. Mit Francisco Goya (1746-1828), Sergei Eisenstein (1898-1948) und Robert Longo (1953) hatten drei wesensverwandte Künstler die sozialen, kulturellen und politischen Komplexitäten ihrer jeweiligen Zeit in bildgewaltige Werke überführt. Es ging um die seismischen Auswirkungen von Revolution, Bürgerrechtsbewegungen und Krieg. Es ging um Druckgraphik, Filmklassiker und Kohlezeichnungen.

Nachdem die Oberstufenschülerinnen und -schüler über eine Stunde intellektuellen kognitiven Input gehabt hatten, wechselte die Aufnahmeart. In Gruppen zu fünft sollten sie zu einem Exponat zurückkehren, das sie besonders beeindruckt hatte und zunächst kleine Texte dazu verfassen. Danach sollten diese Texte in kleine Spielszenen umgestaltet werden. Schließlich hatten alle Kunstprofiler als ergänzendes Fach Darstellendes Spiel bei Theaterpädagogin Heike Blenk belegt – und kannten längst die grundlegenden theatralen Mittel, die dazu nötig waren.

Bei der Vorführung der einzelnen Szenen gab es Applaus von den Mitschülern – und verwunderte Blicke und bewundernde Bemerkungen von den übrigen Museumsbesuchern. „Das hat mich wirklich beeindruckt“, sagte ein Museumswärter und nickte anerkennend. Vor der Darstellung einer massiven Mauer beispielsweise entstand auch aus der Schülergruppe eine durch feste Armverschränkung undurchdringbare Mauer, die noch wuchs, indem die Spieler sich immer mehr streckten. Dahinter versuchte verzweifelt eine Person dieser Einengung zu entfliehen. Der Museumswärter hatte das Ganze zunächst argwöhnisch beobachtet...

Als die Kunstprofiler schließlich aus der kühlen Museumshalle wieder in die gleißende Frühlingssonne traten, hatte sie das Thema der Ausstellung ganzheitlich verinnerlicht. „Das hat Spaß gemacht“, meinte Emily. „Das vergesse ich nicht so schnell“, meinte Josephine. „Durch das Spiel verinnerlicht man das Thema noch viel mehr.“


Text und Bilder: Heike Blenk