Der 9. Mai ist Europatag – und weil er in diesem Jahr auf ein Wochenende fiel, verlegte ihn die Stormarner Europaschule einen Tag vor. Denn es sollte kräftig mit allen Schülerinnen und Schülern und den jetzigen und auch ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern Jubiläum gefeiert werden. 30 Jahre kann sich das Emil von Behring-Gymnasium nun schon „Europaschule“ nennen! Eine Zertifizierung, die man sich durch einen hohen Anteil an Aktivitäten rund um Europa verdienen müsse, wie der neue Schulleiter Jörg Berger herausstellte.
Er zählte auf: Schüleraustaustausche mit Frankreich, Spanien, Finnland, Italien, Estland, Norwegen, Schweden, Chile… Job-Shadowing für Lehrkräfte dort und auch in anderen Ländern, z.B. Portugal… Das Feiern europäischer Feste, wie beispielsweise die Fiesta de Reyes… Gastschülerinnen und Gastschüler aus aller Herren Länder… Diverse Sprachzertifikate… Aber eben auch und gerade das Verankern der europäischen Idee in allen möglichen Nischen des Unterrichts- und Schullebens.
Jörg Berger dankte dem anwesenden ehemaligen Schulleiter Klaus Müller, der die Bewerbung um den Titel initiiert hatte und lange Jahre eine Schlüsselfigur für den Bereich Europa in der schleswig-holsteinischen Schullandschaft und auch im Kultusministerium war. Neben ihm waren weitere Ehemalige gekommen, die ihren Anteil an der Etablierung der europäischen Idee und des demokratischen Denkens hatten. Ingrid Hüniken, Ute Thomsen, Reinhard Sauer, Brigitta Carstensen.
Der Start des Jubelfestes gestaltete sich allerdings holprig: „Wir setzten mit der EvB Big Band gerade zur ersten Note an, als ein Stör-Ton zu hören war“, erzählte Jörg Schraplau und meinte damit den Feueralarm, der just zur Eröffnung der Feier dazwischenfuhr. Gerade hatte sich das Forum gefüllt – da mussten alle wieder aufstehen und sich erst einmal draußen auf dem Sportplatz sammeln. Kurze Zeit später rückte sogar noch die Feuerwehr an. Zum Glück gab es dann aber gar nichts zu löschen; die hochempfindliche Alarmanlage hatte ausgelöst, bloß weil die Projektgruppe „Spanien“ in der Küche schon mal Butter zur Herstellung von Churros erhitzt hat. Und so startete dann der Europatag etwas verspätet, aber immer noch gut gelaunt.
Churros sollte es geben, um das Herkunftsland Spanien für alle Sinne zu präsentieren. Neben Informationsplakaten für die Augen und Vorträgen für die Ohren hatte die verantwortliche Schülergruppe auch Kulinarisches für die Geschmacksnerven parat.
Eine Tür weiter konnten die Besucher des europäischen Gallery Walks die Antipasti der Projektgruppe „Italien“ probieren. Schwere Knoblauchschwaden waberten durch den Raum, während man erst einmal die Info-Plakate abgehen sollte; darauf bestand Sarah. Finnische Blaubeer-Tarte begleitete die Vorträge im Raum über Finnland.
Insgesamt brummte das Schulgebäude nur so. Treppauf, treppab ging es, zu den verschiedenen „Länderpavillons“ der Unter- und Mittelstufe. In einem wurden von Fünftklässlern auch deutsche Traditionen präsentiert. Dass man, anders als in Spanien, nach der Heirat meist gemeinsam den Namen des Mannes trage. Dass Silvester immer richtig laut sei.
In der Pausenhalle konnte man per QR-Code auf Ipads in einem Quiz sein Wissen testen: „Fakten zur EU“; „Redewendungen aus ganz Europa“; „Geografie Europas“. Die 10a gestaltete ein Escape Game für einen spielerischen Zugang zum Thema. Sportlich wurde es beim „Democracy fitness.“
Die Oberstufenkurse befassten sich auch mit Planspielen. Die Schülerinnen und Schüler schlüpften beispielsweise in verschiedene Rollen und diskutierten jeweils aus anderer Perspektive die Frage: Soll es eine verpflichtende CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln, Kleidung und Elektrogeräten geben? „Wir haben dabei auf alle Fälle gesehen, dass Demokratie ein zäher und langwieriger Entscheidungsfindungsprozess ist – aber dass er eben auch der fairste Weg ist“, fasste eine Teilnehmerin am Ende zusammen.
Ein weiteres Planspiel, „Fakt oder Fake“, wurde von Enrico Kraft geleitet. Er ist Europaexperte, Bildungsreferent in der Jugend- und Erwachsenenbildung, Mitglied der Europa Union u.v.a. Es war dem EvB eine große Ehre und Ehre, ihn begrüßen zu können, obwohl er viel zu tun hat.
In einem Kunst-Projekt entstanden „demokratische Installationen“. Ein Geschichtsprojekt ging den „Entstehungsmythen der Europäischen Nationen“ nach. Ein WiPo-Projekt beschäftigte sich mit der Frage „Wir in Europa – was verbindet uns?“ Gespräche mit der EU-Abgeordneten in S-H, Delara Burkhard (SPD), waren möglich.
Im Pausenbereich brainstormten Oberstufler Begriffe zum Thema Europa: „Vielfalt“. „Toleranz“. „Demokratie“. „Alle“. „Liebe“. Mit Begeisterung notierten sie sie auf bunte Post Its, die sie dann zu Wand- und Fensterteppichen im Gebäude fügten. So boten und bieten sie Anlass zu kleinen Diskussionen im Vorbeigehen oder aber Gedankenspielen.
Zum Abschlusskonzert wurde es wild im Forum des EvBs. Die deutsch-französische Hip Hop Band „Zweierpasch“ stürmte auf die Bühne und brachte die europäischen Kernbegriffe in Songs zum Klingen und Vibrieren.
Einen ganzen Tag nur ein Unterrichtsfach: Europa! Initiiert, organisiert und koordiniert worden war das Mammutprogramm von der Koordinatorin für Europa und Demokratie, Celia Digón-López, und der Französischlehrerin Annette Völker. Die auch noch die Nerven behielten, als der Alarm alle zeitlichen Planungen sprengte. Europa durch alle Generationen mit allen Sinnen. „Natürlich wäre das ohne die Mithilfe aller Kolleginnen und Kollegen niemals möglich gewesen“, merkten sie an.
Damit Vielfalt und Demokratie als Chance begriffen werden. Im Jubiläumsjahr und auch in allen anderen Jahren, die folgen.
Text: Heike Blenk
Bilder: Heike Blenk, Stine Barchanski und Celia Digon










































