Montag, 24.11.2025
Heute war es endlich soweit: Wir, die siebenköpfige deutsche Delegation, haben uns auf den Weg nach Finnland für die International BSP Arctic COLD MATTERS Conference in Lappland gemacht. Von Hamburg ging es über Riga nach Helsinki, wo wir bereits andere Teilnehmende aus Japan und Neuseeland getroffen haben. Nach einem gemeinsamen Abendessen stand für uns noch ein bisschen Power-Sightseeing in Helsinki an, bevor es dann morgen für uns zum Tagungsort geht und die Konferenz beginnt.
Dienstag, 25.11.2025
Für uns ging es heute Morgen zum Flughafen nach Helsinki, um nach Rovaniemi zu fliegen. Dort angekommen, besuchten wir das Santa Claus Village und anschließend das Arktikum, ein Museum in Sodankylä über Lappland und die indigene Bevölkerung Lapplands. Außerdem gab es eine Ausstellung lokaler Künstlerinnen zu Sexismus. Das war sehr eindrucksvoll und diente uns auch schon als erster Einstieg in unser Tagungsthema. Mit dem Bus sind wir anschließend zusammen mit vielen Delegationen anderer Länder nach Sodankylä gefahren, wo die Tagung endlich offiziell mit einem kleinen Impuls startete. Abgerundet von einem gemeinsamen leckeren Abendessen geht so der zweite Tag unserer Reise zu Ende.
Mittwoch, 26.11.2025
Nach einem sehr leckeren Frühstück im Hotel gingen wir etwa einen Kilometer zu Sodankylän lukio, der lokalen Schule, wo wir nach einem Grußwort vom Bürgermeister und der stellvertretenden Schulleiterin in zwei Phasen die Chance hatten, verschiedene Workshops zu besuchen und anzubieten. Ich hatte mir am Abend zuvor einen Workshop zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Sámi-Sprachen ausgesucht und habe viel Neues und Interessantes gelernt. So haben die Sámi über 300 Wörter für verschiedene Arten für Schnee, die aber nicht mehr gebraucht werden. Stattdessen haben sie jetzt auch ein Wort für den Klimawandel … Wir deutsche Youth Ambassadors haben zusammen einen Workshop zu nationalen Minderheiten geleitet. Anschließend aßen wir Mittagessen und hatten dann die Gelegenheit, von einem lokalen Wissenschaftler, der Sámi-Hintergrund hat und einer von nur 500 Menschen ist, der seine Sprache spricht, etwas über Sámi und Sterne zu erfahren, was wirklich spannend war. Vorm Abendessen gab es noch einen sehr spannenden Abendimpuls von Eva Ritter, Gründerin von ,Cold Matters’, in dem sie vor allem über die Unterdrückung der Sámi gesprochen hat, was wirklich sehr bewegend war. Das Highlight des Tages kam aber mit großem Abstand nach dem Abendessen: Wir gingen raus, um Nordlichter zu sehen und waren schon anfangs überglücklich, kleine grüne Verfärbungen am Himmel erkennen zu können, die dann immer stärker und schöner wurden, bis der ganze Himmel grün und pink leuchtete (siehe Fotos). Das war ein wirklich schöner Abschluss eines auch sonst wirklich tollen Tages!
Donnerstag, 27.11.
Nach unserem Frühstück ging es für uns heute mit dem Bus etwa eineinhalb reindeer pee’s (traditionelle Maßeinheit: die Distanz, die ein Rentier etwa laufen kann ohne Toilettenpause; ca. 60 km) gen Norden nach Vuotso, einem kleinen Dorf mit knapp 300 Einwohnenden, wo wir die lokale Schule besucht haben. Die Schule hat etwas über 30 Schüler*innen und unterrichtet in Finnisch und Sámi. Nach einer sehr interessanten Einleitung durch den Schulleiter und einem Mittagessen in der Schulcafeteria brachten uns Schüler*innen der Jahrgänge 7–9 ein paar Wörter auf Sámi und wie wir Rentiere mit einem Lasso fangen bei. Außerdem hat ein Schüler sein Rentier von Zuhause mitgebracht (siehe Foto), das wir auch sehen durften. In der Pause hatten wir die Gelegenheit, in einen traditionellen Laden zu gehen, in dem es handgemachte(n) Kleidung, Schmuck, Werkzeug und vieles mehr gab. Nach einer Führung durch die Schule ging es mit dem Bus wieder zurück nach Sodankylä, wo uns eine junge Rentierhirtin unter anderem von den Auswirkungen des Klimawandels und Tourismus auf die Rentierzucht erzählte. Anschließend gab es, wie jeden Tag, sehr leckeres Abendessen. Zum Abschluss gingen Einige noch in die Sauna und ließen so auf typisch finnische Weise einen weiteren tollen Tag in Lappland ausklingen.
Freitag, 28.11.
An unserem letzten ganzen Konferenztag haben wir nach einem leckeren Frühstück angefangen, das Gelernte Revue passieren zu lassen und konkrete Ideen für die Zukunft entwickelt. In Kleingruppen haben wir über unsere Gefühle gesprochen und unsere Werte reflektiert. Das war sehr bereichernd in meiner Wahrnehmung, weil wir Zeit zum tiefen, freien und kritischen Denken hatten und auf dieser Basis wirklich konstruktiv arbeiten konnten. In der Mittagspause hat eine kleine Gruppe eine Schneewanderung im Neuschnee gemacht, was auch sehr schön war. In der letzten „Session“ ging es noch einmal darum, was uns wichtig für zukünftige Konferenzen und die Zukunft im Allgemeinen ist. Anschließend gab es wieder ein sehr leckeres Abendessen und im Anschluss nutzten wir den Abend für gute Gespräche, erfrischende Saunaaufenthalte und unterhaltsame
Samstag, 29.11.
An unserem letzten Tag in Lappland haben wir uns noch einmal zusammengesetzt, um die Konferenz zu bewerten und die Zukunft des Baltic Sea Project und der nächsten großen Konferenz im April 2026 in Flensburg zu planen. Was war gut? Was können wir besser machen? Was ist uns außerdem wichtig? Nach sehr produktiven und konstruktiven Gesprächen hatten wir noch ein letztes Mittagessen zusammen, bevor wir alle unsere individuellen Rückreisen antraten. Wie immer bei solchen Konferenzen war das Verabschieden von den Menschen, von denen man die meisten vor wenigen Tagen noch nie gesehen hatte, das schwerste. Ich finde es bereichernd, dass unsere Schule Teil des Baltic Sea Project-Netzwerks ist und ich habe auch schon einige Ideen, wie wir am EvB mit dem, was wir auf der Konferenz erlebt und erfahren haben, weiterarbeiten können. Auf der Konferenz habe ich spannende Einblicke in Bildung, in den Klimawandel und seine vielfältigen Auswirkungen erhalten sowie auch in die Situation nationaler Minderheiten wie der Sámi. Es ist schon etwas wirklich Besonderes, mit so vielen Anrainerstaaten der Ostsee -mit Ausnahme Russlands- zusammenzuarbeiten. Für dieses gemeinsame demokratische Fundament können wir sehr dankbar sein. Gleichzeitig ist es heute stärker bedroht denn je – und genau deshalb liegt es an uns allen, gemeinsam unsere demokratische Resilienz zu zeigen. Vielen Dank an alle für diese Gelegenheit, es war eine tolle und bereichernde Konferenz!
Text und Fotos: Ole von Brand, Q1






















