"Das Wasser steht uns buchstäblich schon bis zum Hals …"

44,3 Grad an Frankreichs Atlantikküste. 40 Grad in Spaniens Baskenland. Über 40 Grad in London und Berlin. Nach den letzten Tagen mit Rekordtemperaturen selbst in Nordeuropa ist die Notwendigkeit, sich um die Umwelt und das Klima Gedanken zu machen, sichtbarer denn je. „Die nie dagewesene Hitzewelle zeigt den Handlungsdruck deutlicher denn je!“, betont Frank Böttcher vom Extremwetterkongress.

Umwelt und Klima in Europa sind schon lange ein Schwerpunkt am Stormarner EvB; schließlich ist es Zukunfts- und Europaschule. Auch in den vergangenen Jahren hat es unter der engagierten Federführung von Kathrin Lentz zu diesen Themen einen Umwelttag gegeben. Statt Mathe, Deutsch und Englisch stand dann immer schon die Umwelt auf dem Stundenplan. Zahlreiche externe Referenten wurden eingeladen. Lehrkräfte und auch Schülerinnen und -schüler boten Projekte an. Schon in den vorigen Jahren sind die EvBler begeistert eingestiegen in die angebotenen Themenfelder und Projekte. Aber auf dem Umwelttag 2026 scheint das allen noch deutlich dringlicher.

Damit man klimakonformer und auch sicherer von A nach B kommt, steht das Fahrrad in mehreren Projekten im Mittelpunkt. Bei einem Parcour werden die Fahrtüchtigkeit getestet und der Fahrspaß betont. „Leider macht uns der auch eher ungewöhnliche gewitternde Regen heute auf dem Schulhof einen Strich durch die Rechnung. Aber dann bauen wir die roten Hütchen eben hier ab und in der Sporthalle wieder auf“, entscheiden die verantwortlichen Lehrkräfte Jelka Iven und Karsten Eckstein.

„Da drüben möchte einer ein Bar mehr Druck auf seinem Reifen“, ruft Justus aus dem Q1 Jahrgang und sogleich eilen seine Mitstreiter aus dem Physikprofil herbei. Um Milos Hüfte hängt ein professioneller Werkzeuggürtel. So ausgestattet bringen sie in ihrer – schon etablierten - Fahrradwerkstatt emsigen Unterstufenschülerinnen und -schülern geduldig bei, was sonst die Eltern machen müssten: Reifen flicken! Die Aktion „Achtung Auto“ soll helfen, für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren und ihnen begegnen zu können.

Die 10.en Klassen führen, angeleitet von Uta Knigge und Maik Güldenstern, eine Umfrage zur Verkehrsnutzung der Erwachsenen durch, sie schwärmen in Großhansdorf und Volksdorf aus und stellen auch konkrete Fragen zum Deutschlandticket. Später werden alle Antworten zusammengeführt, ausgewertet und in Excel-Tabellen sichtbar gemacht. Dabei arbeiten sie mit Smartphones und Tablets – deren Folgen für den Globalen Süden im Workshop von Paul Metsch verhandelt werden.

Müll spielt auch eine große Rolle am Umwelttag. Es wird in der Schulküche mit den 9.Klässlerinnen Alina und Niloefar aus dem Umweltteam über Foodwaste nachgedacht. Auch Mülltrennung ist ein Thema. Müll in den Lebensräumen Wälder und Meere wird beleuchtet, beispielsweise im Planspiel „Müll im Meer“, geleitet von den Oberstufenschülerinnen Lina, Stine und Elin, die sich auch sonst im Umweltteam der Schule engagieren. Erneuerbare Energien werden diskutiert.

Die Mülleimer der Schule werden vom Kunst Profil verschönert. „Wir wollen, dass Müllentsorgung bunt und cool ist und Spaß macht“, sagen sie. Lange haben sie an den Konzepten gefeilt, jetzt wird aus der Klappe des Mülleimers ein nach Müll schnappendes Maul.

Das und auch die anderen Aktivitäten interessieren auch Bürgermeister Andreas Bitzer. Zwischen zwei Terminen hat er spontan einen Abstecher ans EvB gemacht. „Ich möchte doch wissen, was so los ist an den Schulen im Kreis – und das ist hier ja wirklich ein umfangreiches und beeindruckendes Programm“, lächelt er zufrieden.

Ein anderes Kunstprojekt unter der Leitung von Birthe Goldenbaum beleuchtet „Globale Zusammenhänge und die 17 Ziele“. Es geht auch um erneuerbare Energien. Ein Fotoprojekt erstellt „Umweltfotos“. Lani und Jan haben zum Batiken eingeladen und upcyceln alte Kleidung. Glücklich präsentieren die jungen Künstler aus dem 7. Jahrgang ihre Produkte und können sich durchaus vorstellen, die schon alten, ausrangierten Blusen und Hemden jetzt doch wieder anzuziehen.

Das Geschichtsprofil des Q1-Jahrganges wollte eine Exkursion ins Tunneltal machen. Wegen des strömenden Regens zieht Referentin Svenja Furken ein Klassenzimmer vor. Auch hier lässt sich anhand von Exponaten zeigen, dass die Natur im Tunneltal ein Klimaarchiv ist. Durch Funde aus alten Zeiten könne man Rückschlüsse auf die Entwicklung des Klimas in Europa ziehen.

Das Englisch-Profil marschiert in Regenjacken Richtung Ausgang und fragt dabei Vorbeikommende nach Regenschirmen. Ob mit oder ohne – sie sind entschlossen: „Wir sammeln trotz der Wetterlage – es grummelt gewaltig da draußen - jetzt erst mal Müll in Großhansdorf!“

Auf dem Pausenhof 1 gibt es schon seit Jahren hölzerne Insektenhotels. Ab und an ist Hausputz angesagt – und obwohl es in Strömen gießt, stochern und säubern fünf Unterstufenschüler stundenlang die Behausungen. Zudem werden unter der Leitung von Oberstufenschüler Martin Maluche Samenkugeln als Futter hergestellt.

Im Forum geht es mit anderen Oberstufenschülerinnen und -schülern um das stetige Steigen der Meeresspiegel. Besonders zu sehen in den asiatischen Flussdeltas in China, Bangladesch und Vietnam. Megastädten wie Jakarta, Bangkok, Manila. Inselstaaten im Südpazifik. Aber auch in Teilen der Niederlande und Belgien – und in Nordfriesland. Man sieht betroffene Mienen im Zuschauerraum. „In Kalifornien laufen schon vielerorts die Keller voll – die kann man in den USA schon nicht mehr versichern“, erläutert Herr Glaser in seinem Vortrag „Germanwatch Klimakonferenz“. „Das Wasser steht uns Menschen buchstäblich schon bis zum Hals…“ Unter seiner Anleitung finden diverse Gesprächsrunden und Miniperformances statt. Als Amerikaner werden die Nationalhymne gesungen und amerikanische Standpunkte formuliert und probiert.

Referent Stanley Okoro fragt die Zuhörerinnen und Zuhörern aus Klassenstufe 9: „Wer trägt die Last der Klimakrise?“ Klärung erfolgt unter anderem in einem Videocall mit einem Experten aus Nigeria. Am Beispiel Ghanas arbeitet Esther Mumuni zu Klimagerechtigkeit und einer fairen Zukunft für alle – und stellt mit den Schülerinnen und -schülern dabei auch noch faire Schokolade her. Der Klimaschutz im Regenwald wird im Workshop von Frauke Siedenburg verhandelt. „Ein gutes Leben auch für die Natur“ möchte Iwan Morillo initiieren.

„Ich bin froh, wie flexibel alle Außenprojekte mit dem Regen umgehen, es finden sich für alles Alternativlösungen“, lacht die Initiatorin Kathrin Lentz. „Und ich freue mich sehr über die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Großhansdorf, der Sparkassenstiftung und des Schulvereins, ohne die wir das Ganze so hochwertig gar nicht stemmen könnten. Danke! Danke! Danke!“ „Schön ist, dass so viele EvBler mit großem Interesse ins Thema einsteigen“, das beruhigt mich ein wenig hinsichtlich unserer Zukunft“, fügt ihre Mitstreiterin Vera Munz hinzu.

Auf dass der Umwelttag 2026 Anregungen für die 364 Tage bis zum Umwelttag 2027 geschaffen hat!

Text: Heike Blenk

Bilder: Heike Blenk und Kathrin Lentz


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