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Q2-Aufführung

Der Sinn des Lebens – gibt es den überhaupt?

Das Forum des EvBs ist stockdunkel, nichts ist zu sehen. Umso eindringlicher sind Stimmen zu hören, die Fragen in den Raum schleudern. Gravierende Fragen. „Bist du glücklich?“ „Was hat Bedeutung?“ „Was ist der Sinn des Lebens?“ Automatisch versucht der Zuhörer zu antworten. Man hört leise irritiertes  Lachen, jemand flüstert: „Ja, manchmal bin ich glücklich.“ Jemand raunt: „Der Sinn des Lebens – schwierig...“

Und so ist das Publikum froh, als das Licht angeht und eine Abiturklasse zu sehen ist, in einer ihrer letzten Schulstunden vor den Prüfungen. Vielleicht bekommt man jetzt hier die Antwort auf die große Frage nach dem Sinn des Lebens?

Der DSP Kurs des Q2-Jahrgangs hat sich unter der Leitung von Jörg Schraplau zwei Jahre lang intensiv mit der Frage beschäftigt und den Jugendroman der dänischen Autorin Janne Teller auf die Bühne gebracht. In mühevoller Probenarbeit und auch einer Wochenendprobe wurden Charaktere beleuchtet, Szenen entwickelt, Dialoge umgeschrieben. Es wurde gerungen um die Frage, was Bedeutung hat.

Im Stück des Q2 Kurses bezweifelt Antonia, dass überhaupt irgendetwas Bedeutung hat. Während sich ihre Mitschüler eifrig mit den Aufgaben der Lehrerin befassen, springt sie plötzlich auf: „Das ist doch alles überflüssig hier! Nichts hat Bedeutung! Alles ist sinnlos!“ Sie wirft die Abiturvorbereitungen hin, zieht sich auf ein Gerüst zurück und verweigert sich von nun an nihilistisch allem.

Ihre Mitschüler wollen ihr beweisen, dass sie falsch liegt. Sie wollen einen Berg errichten mit lauter Dingen, die Sinn haben. Jeder soll etwas beisteuern, das ihm etwas bedeutet. Und so beginnt der Berg zu wachsen. Der Fußball mit Torwart Manuel Neuers Unterschrift, die Boxhandschuhe des Großvaters, ein Tagebuch, die Kette von der Großmutter. Der Hamster, die Adoptionsurkunde. Jeder, der etwas gegeben hat, darf jemanden anderen benennen und etwas fordern. Und dann wird es schnell extrem und gerät aus dem Ruder.

Der Gebetsteppich muss abgegeben werden. Die Haare eines Mädchens, die sie nach einer Chemotherapie gerade wieder wachsen lassen hat und welche sie als Symbol des Lebens sieht. Der Sarg des früh verstorbenen kleinen Bruders soll ausgegraben werden. Ein Mädchen soll seine Unschuld verlieren und wird von einem Mitschüler vergewaltigt. Ein Hund soll getötet werden  von jemandem, der kein Blut sehen kann. Und schließlich hacken sie einem Mädchen den Finger ab. Weil das Mädchen als Gamerin jeden Tag an der Konsole sitzt, erscheint dieses Körperteil als das bedeutungsvollste.

Schließlich werden Polizei und Presse aufmerksam und ein Museum in New York äußert Interesse, den Berg als Kunst zu erwerben – wozu es dann aber nicht kommt. In Talkshows wird darüber diskutiert, ob der Berg der Bedeutung eine ernstzunehmende künstlerische Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens oder nur pubertärer Nonsens sei. Antonia selber ist nicht zu überzeugen, sie sagt nur verächtlich: „In ein paar Monaten ist der Berg der Bedeutung ohne Bedeutung und vergessen.“

Am Ende verbrennen die Schüler den Berg – und die Fragen vom Anfang stehen noch immer im Raum: Hat überhaupt irgendetwas Bedeutung? Gibt es den Sinn des Lebens überhaupt?

Diese Fragen muss sich der Zuschauer nun doch selbst beantworten. Aber die intensive und mutige Produktion des DSP Kurses Q2 wird hängenbleiben und nachwirken und bei den Überlegungen helfen. Geschickt waren Licht- und Farbeffekte eingesetzt und Musikstücke unterstrichen die Atmosphäre. Unterstützt wurde der DSP-Kurs dabei von Schülern der Technik-AG.

Am Ende gab es frenetischen Applaus und bunte Blumensträuße. Für die Spieler/innen und den Theaterpädagogen Jörg Schraplau. Verdient. Chapeau!

 

Text und Bilder: Heike Blenk

 

 


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