Rückblick: Im KZ Neuengamme führte der SS-Arzt Dr. Kurt Heißmeyer während des 2. Weltkrieges Tuberkulose-Versuche an erwachsenen Häftlingen durch. Zum selben Zweck ließ er im November 1944 zehn Jungen und zehn Mädchen aus dem KZ Auschwitz holen. Die jüdischen Kinder aus sechs europäischen Ländern waren zwischen fünf und zwölf Jahren alt. Kurz vor Kriegsende, am 20. April 1945, ermordeten SS-Männer die Kinder, um die Versuche zu vertuschen. Tatort war der Keller der zuletzt als KZ-Außenstelle genutzten Schule am Bullenhuser Damm.
Genau diese Schule ist nun Gedenkstätte. Sie lädt ein, sich mit dem Ort, den medizinischen Experimenten, den Opfern, den Morden, den Tätern und dem Umgang mit den Verbrechen nach 1945 auseinanderzusetzen.
Die 10a mit ihrem Geschichtslehrer Maik Güldenstern und ihrer Klassenlehrerin Heike Blenk wollte genau das tun und machte sich aus Großhansdorf auf den Weg ins Hamburger Industriegebiet. Empfangen wurden sie von Yeliz Voigt, die sie behutsam durch die gut strukturierte Ausstellung und das wuchtige Thema begleitete.
Gleich im Treppenhaus war der tödliche Kellerraum als Wandbild sichtbar, umrahmt von Opfern und Tätern. Bilder von Lelka Birnbaum, Marek James, Bluma Mekler und den anderen Kindern gaben den Opfern ein Gesicht. Teils sah man sie auf Familienfotos, teils aber auch auf Dokumentationsfotos aus dem Krankenhaus. Zu den Tätern konnte die Museumsmitarbeiterin berichten, dass einige später vor Gericht gestellt und auch zum Tode verurteilt worden seien. „Das scheint eine Form von Gerechtigkeit zu sein – aber insgesamt sind nur ca. 1% aller Nazi-Täter angeklagt und verurteilt worden“, ordnete Yeliz Voigt ein.
Dann ging es direkt an den Tatort, in den Keller, an dessen Wänden Zitate aus den Gerichtsprotokollen zu sehen waren. „I asked Trzebinski if this had to be done, and he answered, Orders are orders´”, hatte zum Beispiel der Lagerführer Ewald Jauch 1946 vor Gericht gesagt und sich damit aus der Verantwortung ziehen wollen. Das hätten die allermeisten nach dem Krieg versucht, sagte Yeliz Voigt. „Gerade diese Zitate sind sehr eindringlich“, fand Fiete.
In einem anderen Raum war für jedes ermordete Kind ein Koffer mit biographischen Infos aufgestellt. Hier waren Ruchla Zylberberg, Mania Altmann, Riwka Herszberg und die anderen noch mal präsenter. „Man spürt, dass es ganz normale Kinder waren, die Hobbies hatten und Eltern, die sie liebten – und denen man das einfach genommen hat“, sagte Jonna betroffen.
Schautafeln informierten genauer über die Machenschaften der Nazis und die Experimente des Arztes. Ein französischer Zeitzeuge war auf einem Infoscreen zu sehen und berichtete von der Deportation seiner Familie aus Paris in einem Viehwaggon und seiner gefährlichen Flucht.
Am Ende stand der Besuch des Rosengartens, in dem für jedes ermordete Kind eine Gedenkplakette steht. Auf einer Steinplatte war zu lesen: „Hier stehst du schweigend, doch wenn du dich wendest, schweige nicht.“ Maik Güldenstern schloss den Besuch in der Gedenkstätte mit den Worten: “Genau, es ist jetzt auch ein Stück weit eure Verantwortung, dass diese Verbrechen nicht totgeschwiegen werden können und vergessen werden.“ Alle nickten – und waren sich einig, dass so etwas Schreckliches nicht wieder passieren dürfe. Befehle müssten immer hinterfragt werden und jeder einzelne sei verantwortlich für das, was in der Welt passiere.
Zum Abschied winkte der Geschichtslehrer der Mitarbeiterin der Gedenkstätte zu und sagte: „Bis zum nächsten Mal!“ Er plant bereits einen weiteren Besuch an diesem eindrücklichen Ort mit einer anderen Lerngruppe.
Text: Heike Blenk
Bilder: Heike Blenk und Maik Güldenstern





























