Im Namen Deutschlands: Das spannende Leben des Botschafters Harro Adt

In den Sommerferien lernte ich den ehemaligen deutschen Botschafter Harro Adt kennen. Ich war schnell fasziniert von seinen Erzählungen aus seinem Berufsleben zwischen Diplomatie und internationaler Politik. Wir unterhielten uns lange, und in meinem Artikel berichte ich über unser Gespräch.

Das eigene Land repräsentieren, reisen, verhandeln und managen – der Beruf des Diplomaten gilt als verschwiegen und unüblich. Viele haben sicherlich schon einmal von diesem Beruf gehört, doch über das Berufsbild ist wenig bekannt. Der ehemalige deutsche Botschafter Harro Adt war in verschieden Ländern Afrikas und Europas im Einsatz. Er ist zutiefst überzeugt. „Diplomatie ist unvermeidbar“.

Was ist Diplomatie eigentlich? Ab wann gilt man als Diplomat? Und wie sieht das Leben eines Botschafter aus?
Mit Staaten verhandeln, Verbindungen schließen und diese zu halten, die Interessen seines Landes im Ausland zu sichern und untereinander Abkommen vermitteln. Das ist der Kern der Diplomatie.

Diese Aufgaben erledigen staatliche Vertreter im Ausland und Inland. Jeder der das macht, gilt als Diplomat. Dazu zählen alle, die in einer Botschaft, einem Ministerium oder im Auswärtigen Amt arbeiten. Der Botschafter leitet die Botschaft und ist der ranghöchste Diplomat. Er vertritt Deutschland im Ausland. Harro Adt war als Botschafter in Mali, Südafrika und in der zentralafrikanischen Republik tätig. Doch der Weg zum Botschafter ist sehr anspruchsvoll und weit. Das Auswahlverfahren zum Diplomaten im Auswärtigen Amt ist sehr anspruchsvoll. Neben perfektem Englisch und Masterabschluss sind Fachkenntnisse in Wirtschaft, Völkerrecht, Politik, Geschichte und einer weiteren Amtssprache der Vereinten Nationen -wie zum Beispiel Spanisch- Pflicht. Empfehlenswert ist laut Harro Adt außerdem ein guter Plan B. In seinem Fall war dies seine Arbeit als Anwalt.

Fachwissen allein reicht in der Diplomatie aber nicht aus, sondern bildet nur die Basis. Anpassungsfähigkeit und gute Kommunikation mit Menschen sind als Diplomat unerlässlich. Das Leben ist durch das viele Reisen und ständigen Wechseln der Umgebung und der Kultur geprägt. Sich immer wieder auf neue Personen einlassen und mit ihnen zusammenarbeiten ebenso. Wie Herr Adt sagt. „Man wählt keinen Beruf, sondern eine bestimmte Art und Weise zu leben.“

Doch nicht das Auswahlverfahren ist das schwierigste am Beruf. Nein, die Kunst eines Diplomaten besteht darin, zwischen den Zeilen zu lesen und sich nicht von der Freundlichkeit, die ein Diplomat erfährt, täuschen zu lassen. Die harte Wahrheit aus Harro Ads Erfahrung: „Als Diplomat bekommt man meistens das beste, aber nicht das wahre Land zu sehen.“

Neben diesen Herausforderungen zahlt ein Diplomat in seinem privaten Leben einen hohen Preis. In seiner Karriere zog Harro Adt 17 Mal um. Nicht nur für ihn selbst war dies eine riesige Belastung, sondern auch für seine Familie. Er hat zwei Kinder und war verheiratet. Die große Zumutung stellte sich im Rückblick dann doch als Privileg heraus. Seine Kinder wuchsen mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen auf und lernten die Welt kennen. Herr Adt kennt es selbst nicht anders, auch sein Vater war Diplomat, weshalb er als Kind zwei Jahre in Teheran (Iran) lebte und dort sein Abitur machte. Man kann sagen, dass der Beruf seines Vaters ihn bei seiner Berufswahl positiv beeinflusst hat.

Einer seiner wichtigsten Momente in seiner Karriere war die Stelle als Sonderbeauftragter für Afrika. Hier half er Deutschland durch viel Überzeugung und Hintergrundarbeit, zweimal einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu sichern. Seine Erfahrung und sein Wissen über Afrika prägen seine politische Meinung bis heute. „Eine Zusammenarbeit mit Afrika“ davon ist Harro Adt überzeugt, „ist für uns überlebenswichtig, da Deutschland eine Exportnation ist.“ Im Zusammenhang mit dem schnellen Anstieg der Bevölkerung in Afrika, sei eine geopolitische Partnerschaft absolut notwendig.

Das wohl spannendste und prägendste Erlebnis war 2003 die Sahara-Geiselnahme. Islamistische Terroristen hielten 32 europäischen Touristen, darunter Deutsche, Schweizer und Niederländer, in der Wüste gefangen. Harro Adt und andere Vermittler hielten Kontakt zu den Entführern und verhandeln mit den Regierungen im Hintergrund eine Freilassung aus. Hierbei halfen ihm auch wichtige ehemalige Kontakte seiner Karriere. Nach 2 Monaten voller Ungewissheit kam es schließlich zur Freilassung der Geiseln.

Doch wie sieht es heute mit der Diplomatie und der Beruf des Diplomaten aus? Trotz der Veränderungen in der Welt, hat sich das grundlegende Wesen der Diplomatie nicht verändert. Die neue Technologie ermöglicht zwar schnellere und bessere Kommunikation, doch das Berufsbild eines Diplomaten und Botschafters bleibt unverändert. Am Ende geht es immer um das Miteinander Sprechen auf Augenhöhe. Denn nur durch Diplomatie kann ein gemeinsames Zusammenleben aller Menschen funktionieren.

Text von Nika Buttron/Presse AG und Bild von Nika Buttron/Presse AG


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