Seit fünf Wochen hatte man Herrn Berger bereits im Schulleiterbüro des Stomarner Emil von Behring-Gymnasiums gefunden – heute ist er nun auch offiziell in sein Amt eingeführt worden; mit berührenden Musik Acts und vielen Reden.
Die Stellvertretende Schulleiterin Frau Schoeneich, die 13 Monate mit einem Schulleitungsteam das EvB kommissarisch geführt hatte, trat zuerst ans Rednerpult im Forum des Europa-Gymnasiums. Sie freute sich über ihren neuen Chef und nannte seine Fächerkombination Mathematik und Philosophie ungewöhnlich – ungewöhnlich geeignet, eine Schule zu führen und Lösungen für die vielfältig auftretenden schulischen Fragestellungen und Probleme zu finden.
Frau Oellrich aus dem Ministerium verwies auf die Nadel, die der neue Schulleiter an manchen Tagen am Revers trüge: „Don´t panic!“, stehe da. Das sei eine gute Einstellung, um eine Schule mit über 1000 Schülern zu leiten. Schulleiter bräuchten viel Ausdauer und Stressresistenz.
Sie verwies auch auf die Agenda „Schule 2035“, in der unter anderem festgehalten ist, dass Schule auch in Zukunft Leistungs- und Kompetenzentwicklung ermöglichen soll, Chancen eröffnen und aber auch Wohlbefinden schaffen solle. Die Dame aus dem Ministerium mahnte, dass das auch für den Schulleiter gelten müsse, er solle auch sich selber im Blick behalten – nur so bliebe er langfristig handlungsfähig. Als Geschenk überreichte sie ihm schmunzelnd ein Handtuch, für wenn es mal hitzig würde.
Der Bürgermeister und Schulverbandsvorstand Herr Bitzer zeigte sich fest überzeugt, für das EvB die goldrichtige Wahl getroffen zu haben. Das sehe man auch daran, dass die ehemalige Arbeitsstätte des neuen Schulleiters, das Kopernikus Gymnasium in Bargteheide, recht frustriert über dessen Weggang als Stellvertretender Schulleiter sei. „Aber die Besten bleiben eben nie lange“, meinte er schmunzelnd. Der Schulverband wolle an seiner neuen Wirkungsstäte Wegbegleiter sein.
Für den Schulleiterarbeitskreis sprach dann Herr Troche. In einer launigen Rede nahm er zunächst Bezug auf die bunten Socken des Schulleiters, die symbolisierten, dass er ein wenig out of the box denken würde. Sein Antrittsgeschenk war der Roman „Der tanzende Direktor“; da gebe es noch mehr Anregungen dazu. Außerdem bezog er sich auf Herrn Bergers Lieblingsfilm „Star Wars“. Dort hätte er ja drei wunderbare Vorbilder. Prinzessin Leia mit ihrer Empathie und Teamfähigkeit. Obi Wan Kenobi, der als Mentor fördere, ohne sich in den Vordergrund zu rücken. Darth Vader hätte Pflichtbewusstsein und Entschlossenheit, das sei ja auch nicht zu verachten.
Ole von Brand und Paul Kindermann sprachen für die Schülerinnen und Schüler. Sie wünschten sich einen kooperativen Schulleiter – und seien mit dem, was sie bisher schon sehen konnten, zufrieden.
Für den Schulelternbeirat trat Frau Wiederhold ans Mikro. Sie wünschte sich Demut für das, was bereits am EvB vorhanden sei; was Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer geschaffen hätten. Sie stellte fest: „Man merkt, Sie haben eigene Ideale und Ideen, aber Sie hören zum Glück auch erst einmal zu, wollen gemeinsam gestalten.“ Kindern und Jugendlichen Orientierung zu geben in einer sich rasant verändernden Zeit - darum müsse es allen gemeinsam gehen. Sie lobte das Tempo des Schulleiters bei der Einarbeitung in auch komplexe Themen in den letzten fünf Wochen. „Wir Eltern wollen Unterstützer sein und heißen Sie herzlich willkommen!“
Frau Iven und Frau Koch als Vertreterinnen des Kollegiums freuten sich ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Chef und riefen: Herzlich willkommen an Bord!“
Der neue Schulleiter selbst wählte dann passend dazu das Bild eines Dampfers für seine Rede. Ahoi! Er sei da wohl der Kapitän, aber ohne eine gute Mannschaft führe das Schiff ja gar nicht. Das sei ihm wohl bewusst.
Zum Glück habe er eine fantastische Mannschaft, angefangen bei der zuverlässigen Kaffeeversorgung durch das Sekretariat. Das Leitungsteam um ihn herum habe ihm schon geduldig die Bedienelemente gezeigt und sei eine hilfreiche Unterstützung. Er habe auch eine wunderbare Crew aus engagierten, kreativen und zugewandten Lehrkräften; er habe schon gesehen, wie produktiv, herzlich und wertschätzend alle miteinander umgehen würden. Im Maschinenraum säße der Schulverband und helfe hoffentlich mit Finanzspritzen. „Davon könne er gar nicht genug bekommen für seinen Dampfer“, sagte er mit einem aufmunternden Seitenblick auf Herrn Bitzer. Als Fahrgäste säßen Schülerinnen und Schüler und Eltern an Bord, die alle ebenfalls aktiv mitrudern sollten. Unterstützt von den tatkräftigen Hausmeistern. Also: „Leinen los! Mit voller Kraft voraus!“
Die ersten Wochen seien „spannend“ gewesen, sein Synonym für turbulent. Viele Entscheidungen, Einstellungen, 30jähriges Bestehen als Europaschule und Europatag, bei dem gleich auch noch die Alarmanlage anging...
Seine Ziele seien vielfältig – aber zusammengefasst könne man sagen: Schule solle für alle ein Ort der Begegnungen sein; ein Ort auch zum Wohlfühlen, an dem alle gemeinsam etwas entwickeln. Er wolle nicht alles Gute umkrempeln – sondern es sehen, ergänzen und weiterführen. „Ich freue mich sehr auf die Zukunft und danke für das bisher schon entgegengebrachte Vertrauen! Auf dass wir immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben!“ Oder, um es mit seiner Lieblingsserie zusagen: „Möge die Macht mit uns sein!“ Dass beim Hobeln auch mal Späne fallen, müsse man einkalkulieren.
Dazu sang ihm die Musikfachschaft ein aufmunterndes Lied: „Man kann kleckern oder klotzen, irgendwer wird immer motzen; man kann motzen oder kleckern, irgendwer wird immer meckern.“
Mit einer Einladung zu Kaffee und Kuchen klang der Festakt aus. Dabei konnte sich Herr Berger mit zwei ehemaligen EvB-Schulleitern austauschen, die gekommen waren, um ihm zu gratulieren: Herr Müller und sein Nachfolger Herr Kuske.
Text und Bilder: Heike Blenk















