Das Forschende Lernen am EvB - Woche 4

Wird es Drachen auch in Zukunft geben?

Die Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Stuhlkreis. Frau Dr. Kristina Calvert liest eine Geschichte vor. In der Geschichte gibt es einen Wasserbüffel. Dorfbewohner fragten den Wasserbüffel um Rat und obgleich der Wasserbüffel nichts anderes tat als vage mit dem Huf in eine Richtung zu zeigen, waren die Dorfbewohner überrascht und erfreut über das, was sie fanden – und ratlos: Woher hat er das nur gewusst?

„Habt ihr auch so einen Wasserbüffel? Was ist der Wasserbüffel? Wofür steht er?“ Es entwickelt sich ein Gespräch über Wissen, Glauben und Halbwissen: Woher weiß ich, was ich weiß? Wie sicher weiß ich, was ich weiß? Welche Rolle spielen die anderen dabei? Und wie kann ich mein Wissen beweisen? Was ist „altes“ Wissen? Und wie wichtig sind Erfahrungen?

„Kennt ihr das auch: Ihr steht an der Ampel und denkt: Wenn in drei Sekunden die Ampel auf Grün springt, dann wird heute ein guter Tag.“

Die Schülerinnen und Schüler denken über das Denken nach, es geht um logische Zusammenhänge und um die Wechselbeziehung zwischen Ursache und Wirkung.

Dann bekommt jeder sein Forscherheft. Jede Klasse bekommt ihre eigene Farbe. Diese sind grün. Die Schülerinnen und Schüler schlagen die Hefte auf und schreiben die Forscherfrage, die sie bereits in der letzten Stunde formuliert haben, in die Mitte und erstellen ihre Forschersonne. Wie das geht, erklärt Frau Calvert anhand einer mitgebrachten Frage: „Wird es Drachen auch in Zukunft geben?“ Es geht darum, Begriffe und Vorstellungen zu sammeln, die diese Frage auslöst. In der zweiten Runde wird jedes einzelne Wort der Forscherfrage in dieser Weise befragt – auch die kleinen Worte wie „auch“ und „wird“. Das öffnet neue Denkräume und irgendwie denkt man nun die Frage noch einmal neu.

Am Ende will Frau Calvert wissen: „Woran erkennst du, dass du heute gut mitgearbeitet hast?“ Ein Schüler sagt: „Es fühlt sich irgendwie gut an. Man fühlt sich gut.“

Gina Rehbein

 

Woche 3: Fragen über Fragen – eine besondere Fragerei (19.02.2024)

Auf jeder Karte eine Frage und jede/jeder bekommt eine davon: Wie lange dauert Glück? – Weiß ein Apfelkern, dass er ein Apfelbaum wird? – Was braucht man zum Denken? – Ist ein Kuscheltier still? – Brauchen wir immer etwas Lebendiges?
Die Fragen sind kombiniert mit einem Bild, zum Beispiel wird die Frage „Was braucht man zum Denken?“ kombiniert mit einem spiralförmigen Strudel aus kleinen Hölzern. Die Schülerinnen und Schüler suchen eine „Partnerfrage“. Passen die Fragen wirklich zusammen? Und immer weiter geht die Fragerei. Warum passen die Fragen oder warum nicht? Kannst du das nachvollziehen, was eben gesagt wurde? Was ist der Unterschied zwischen Nachvollziehen und Zustimmen?
Und dann, schreibe deine eigenen drei Forschungsfragen auf, suche davon eine aus, flüstere die Frage, sprich sie laut aus, spreche sie im Chor aus. Und was für Bilder hast du im Kopf, wenn du deine Frage stellst? Zeichne das Bild!
Jetzt haben tatsächlich alle eine ganz eigene Frage, wir sind der Forscherei ein gutes Stück nähergekommen!

Renate Schoeneich

 

Woche 2: Was brauche ich eigentlich, wenn ich forsche? (13.02.2024)

Dieser Frage sind die Schülerinnen und Schüler heute gemeinsam spielerisch nachgegangen. Ihnen ist klar: Sie brauchen Geduld, Interesse, Motivation, Freude und Begeisterung, Ideen, Informationen und Sicherheit (äußere und innere).
Und sie brauchen Mut. Über letzteren Begriff wurde, angeregt durch den Poetry Slam „Mutproben“ von Mona Harry, intensiv nachgedacht. Was bedeutet Mut? Wann wurde mein Mut auf die Probe gestellt? Die Schüler*innen erzählen, wenn sie mögen, von ihren Mutproben und wie sich ihr Mut ausgedrückt hat.
Dabei wird deutlich, dass Mut für jede und jeden etwas anderes bedeutet. Allen Auffassungen gemeinsam ist jedoch, dass Mut bedeutet, sein Bestes zu geben. Und für das forschende Lernen bedeutet es auch, herauszufinden, welche Frage ICH erforschen möchte.
Vielen Dank an Frau Höckendorff und Frau Jacobsen für die interessanten Ideen und Einblicke!

Renate Schoeneich

 

Woche 1: Und nun aber wirklich! (06.02.2024)

Und nun die erste Stunde „Forschendes Lernen“. Frau Dr. Calvert setzt sich mit den Schülerinnen und Schülern einer sechsten Klasse in einen Sitzkreis und wir Lehrkräfte suchen uns Plätze drumherum.

Philosophieren ist das Allererste dieser allerersten Forschendes-Lernen-Stunde. „Ist doch klar“, denke ich, „Philosophie ist die allererste Kulturtechnik, hm, aber wird  das nicht zu – hm -  zu „staubig“?“ Aber Frau Dr.  Calvert zaubert Leben in das Wort! Die Schülerinnen und Schüler finden Worte, die ähnlich klingen wie „philosophieren“: probieren, phantasieren, psychologisieren und auch massieren.

Frau Calvert fragt nach, regt an Zusammenhänge herzustellen und plötzlich wird der Begriff „Philosophieren“ greifbar, pustet den Staub weg.

Dann werden Karten verteilt, sortiert und neu zusammengestellt. Könnten die Karten auch anders liegen? Und dann die Frage eines Schülers: „Warum machen wir das eigentlich?“ Die Karten auf dem Boden zeigen den Künstler Andy Warhol, immer anders sehen wir ihn, mal mit Perücke, mal ohne, es gibt auch Karten mit Begriffen „Selbst“ – „Du“ – „Ort“ – „Identität“ - und viele mehr. Es entstehen Fragen: „Spielen wir eine Rolle?“ – „Wo bist du wirklich Ich?“ – „Ist dafür ein Ort wichtig, um wirklich Ich zu sein?“ Ein Kaleidoskop von Wahrheiten über das Ich, über Persönlichkeit entfaltet sich. Wir machen das, weil Philosophieren über das Ich uns aufmerksam werden lässt, wann wirklich ICH es bin, die forscht, wann ist es wirklich m e i n e Frage, die i c h stelle.

Und dann, am Ende der Stunde, fühlt sich unser Kopf an wie massiert, irgendwie glücklich -  so viele tiefe Gedanken!

Renate Schoeneich

 

Jetzt geht es los. Endlich! (Januar 2024)

Mit einem Elternabend für den 6. Jahrgang startet nun wirklich das Forschende Lernen am Emil-von-Behring-Gymnasium.

Vor gut einem Jahr machte ein Workshop für Lehrkräfte den Anfang, ein Schnuppern am Forschenden Lernen. Begeisterung! Die Überzeugung: eine tolle Möglichkeit für unsere Schülerinnen und Schüler sich zu erproben, selbstständig zu werden, eigene Fragen zu finden. Das möchten wir unbedingt am EvB.

Es folgten weitere Fortbildungen, Anträge und nochmals Anträge, Bewilligungen, Nachfragen — und dann im November 2023 die Zustimmung in der Schulkonferenz: Ja, wir wollen das Forschende Lernen am EvB (keine GegenstimmeJ)! Wir werden mit dem 6. Jahrgang das Forschenden Lernen zu Beginn des 2. Halbjahres 23-34 starten.

Gestern nun der Elternabend mit vielen Informationen von Frau Dr. Calvert, einer der Initiatorinnen des Forschenden Lernens und maßgeblich für die praktische Ausgestaltung an den Schulen verantwortlich. Frau Dr. Calvert kam trotz Kälte, Schnee und Eis sprühend vor Energie und Überzeugungskraft.

Frau Dr. Calvert beantwortete mit ihrem Vortrag viele Fragen.

  • Unter Forschendem Lernen versteht man die Förderung von individuellen Begabungen, die tatsächlich jeder Mensch hat.
  • Diese besonderen Begabungen zeigen sich nicht immer, oft werden sie durch Angst, etwas falsch zu machen oder etwas zu lernen, wofür man sich eigentlich nicht interessiert, verschüttet. Und da setzt das Forschende Lernen an.
  • Das, was die Schülerin oder den Schüler wirklich interessiert, wird zu einer Forscherfrage. Und das ist für jeden Schüler bzw. jede Schülerin etwas Anderes. Denn, und davon ist Frau Dr. Calvert überzeugt, daran zu arbeiten, was mich (wirklich mich und nicht meine beste Freundin oder „alle anderen“) interessiert, das macht glücklich. Deswegen geht dem eigentlichen Forschen ein Philosophieren über Glück, Wahrheit und Identität voraus.
  •  „Glückliche Forschung“ bewirkt ein selbstständiges Lernen, das wiederum bewirkt die Entwicklung von Selbstkompetenz und Souveränität.

Und, Frau Calvert betonte dies immer wieder, diese eben erwähnte „glückliche Souveränität“ kann sich nur entwickeln, wenn die Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten. Dabei werden vielleicht Umwege gemacht, aber auch das gehört zum Forschen dazu. Wenn am Ende das Ergebnis der eigenständigen Forschung präsentiert wird, sind die Schülerinnen und Schüler vielleicht gerade wegen der Umwege zu Recht sehr stolz!

Also, liebe Schülerinnen und Schüler, wir helfen euch nicht bei der Bearbeitung eurer Forscherfrage, aber wir interessieren uns sehr für euch und dafür, wie ihr mit eurer Frage umgeht. Wir helfen euch dabei, Wege zu finden, die zur Beantwortung eurer Frage führen. Wir sind sehr sicher, ihr findet kreative, interessante, überraschende Ergebnisse!

Herzlichen Dank an alle Eltern, die uns mit so freundlichem Interesse und so viel Aufmerksamkeit an diesem Elternabend begleitet haben! Ein besonderer Dank geht an Frau Dr. Calvert für den wunderbaren Vortrag, an Frau Roosen für das Schreiben der Anträge und die ansteckende Begeisterung, an Frau Höckendorff und Frau Rehbein für das Möglich-Machen der Einführung, danke auch an Frau Schreiber vom IQSH Kiel für die Unterstützung!    

Renate Schoeneich, stellvr. Schulleiterin


Impressum | Datenschutzerklärung

Emil-von-Behring-Gymnasium
Sieker Landstraße 203a, 22927 Großhansdorf
Telefon +49 04102-4586-0
Fax +49 4102-4586-23